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Mirakel des Hauses Brandenburg

Das Mirakel des Hauses Brandenburg bezieht sich auf eine überraschende Wendung zugunsten Friedrichs des Großen nach seiner verheerenden Niederlage bei der Schlacht von Kunersdorf 1759.

Oft ist damit aber auch das überraschende Ausscheiden Russlands aus dem Siebenjährigen Krieg Anfang 1762 gemeint.

Das Wunder des Hauses Brandenburg

Wenn vom Mirakel des Hauses Brandenburg die Rede ist, gilt dies zumeist für das plötzliche Ausscheiden Russlands, das zu den härtesten Gegnern Preußens im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) gehörte, aus dem militärischen Konflikt.

Diese Wende wurde ausgelöst durch den plötzlichen Tod von Zarin Elisabeth, die seit 1741 Russland regierte und zu Friedrichs erbitterten Feinden zählte.

Während des Krieges war es den Russen gelungen, größere Teile Preußens zu erobern. Als Elisabeth jedoch am 5. Januar 1762 in St. Petersburg im Alter von nur 52 Jahren starb, führte dies zu einer entscheidenden Wendung im Kriegsverlauf.

Nachfolger Elisabeths als Herrscher aller Reußen wurde ihr Neffe Peter III., der aus Kiel stammte und Gemahl der späteren Zarin Katharina der Großen (1729-1796) war.

Bei Peter handelte es sich um einen glühenden Verehrer Friedrichs, der stets gegen den Krieg mit Preußen gewesen war, sodass er prompt eine politische Kehrtwende vollzog, das Bündnis mit den Österreichern kündigte und am 24. April mit Preußen einen Friedensvertrag schloss.

Sogar ein Hilfskorps mit 15.000 Soldaten stellte Peter seinem Vorbild Friedrich zur Verfügung. Es gilt als wahrscheinlich, dass Peters Handeln Preußen vor einer Niederlage im Siebenjährigen Krieg bewahrte.

Zwar wurde Zar Peter im Sommer des gleichen Jahres gestürzt und am 17. Juli vermutlich ermordet, doch hielt sich seine Nachfolgerin, Zarin Katharina II., die aus Stettin stammte, weiter an den Friedensvertrag.

Österreich und Frankreich waren schließlich gezwungen, mit Preußen Frieden zu schließen, was den Siebenjährigen Krieg 1763 beendete.

Das eigentliche Mirakel

Das eigentliche Mirakel des Hauses Brandenburg hatte sich aber bereits 1759 nach der Schlacht von Kunersdorf ereignet. Am 12. August 1759 musste Friedrich der Große bei Kunersdorf gegen Russen und Österreicher eine schwere Niederlage hinnehmen. Außerdem erlitten die Preußen starke Verluste und büßten von zuvor 49.000 Mann rund 19.000 Soldaten ein, von denen 6179 den Tod fanden.

Ebenso gingen zahlreiche Geschütze und Munitionswagen verloren und viele Soldaten waren versprengt worden, sodass Friedrich zeitweilig nur noch über ungefähr 3000 einsatzbereite Männer verfügte.

Durch die Niederlage bei Kunersdorf verlor Friedrich rund 40 Prozent seiner Truppen. Allerdings hatten auch die Russen 13.615 Mann und die Österreicher 2.215 Soldaten bei der Schlacht eingebüßt. Doch konnten sie zwei Tage später Torgau einnehmen. Außerdem wurde Berlin von der antipreußischen Allianz bedroht. Die Preußen waren nicht mehr in der Lage, ihre Hauptstadt zu verteidigen.

Friedrich denkt an Selbstmord

Bei Friedrich führte der katastrophale Kriegsverlauf zu Depressionen. So spielte er mit dem Gedanken, sein Leben durch Selbstmord zu beenden. Das Kommando der Armee übergab er an General Finck. Seinen Bruder Prinz Heinrich Ludwig von Preußen (1726-1802) ernannte er zum Generalissimus. Das Ende des bislang so erfolgreichen Preußenkönigs schien bevorzustehen.

Das Wunder tritt ein

In den folgenden Tagen verharrten Friedrichs Gegner jedoch überraschenderweise in Untätigkeit. Vor allem die Russen klagten über die hohen Verluste, die sie in Kunersdorf erlitten hatten.

General Saltykow schrieb der Zarin, dass er nach einem weiteren Sieg dieser Art selbst nach St. Petersburg pilgern müsse, um Nachrichten zu überbringen, weil er dann keine Meldereiter mehr hätte.

In Friedrichs Hauptquartier im brandenburgischen Reitwein fanden sich dagegen rund 19.000 versprengte preußische Soldaten ein. Dies gab Friedrich neuen Lebensmut, sodass er sich wieder aufrappelte und seine Anweisungen, die er in depressiver Stimmung getroffen hatte, widerrief.

Anstatt die günstige militärische Lage zu ihren Gunsten auszunutzen und nach Berlin zu marschieren, hatten Friedrichs Gegner die Zeit mit Verhandlungen verstreichen lassen, die jedoch zu keinem Resultat führten. Friedrich war der Meinung, wenn er Berlin einbüße, sei auch der ganze Krieg für ihn verloren. Die Besetzung Berlins blieb jedoch aus, was der Preußenkönig mit größter Erleichterung aufnahm.

Mirakel-Brief an Prinz Heinrich

Als feststand, dass Preußen den Krieg noch nicht verloren hatte, schrieb Friedrich seinem Bruder Heinrich voller Erleichterung am 1. September 1759 einen Brief, im dem er sich ironisch auf die zahlreichen „Mirakel des Hauses Österreich“ durch diverse Heilige in der Vergangenheit bezog. Darin verkündete er „das Mirakel des Hauses Brandenburg“. Anstatt nach Berlin zu marschieren und die wehrlose Stadt einzunehmen, zog der Feind nach Lieberose ab.

Der Krieg geht weiter

Friedrich gelang es, seine Armee wieder auf 33.000 Soldaten zu verstärken und neue Geschütze aus Berlin heranzuschaffen. Mit frischen Kräften errichtete er in der Nähe von Fürstenwalde eine Riegelstellung, während die Russen und Österreicher, die am 16. August die Oder überquert hatten, sich am 31. August nach Schlesien und Sachsen zurückzogen. Das Mirakel des Hauses Brandenburg war perfekt und die schwere Niederlage von Kunersdorf ohne Folgen für Friedrich geblieben.

Der Siebenjährige Krieg ging weiter und wogte hin und her, bis zu jenem 5. Januar 1762, der mit dem Tod von Zarin Elisabeth und der Nachfolge ihres preußenfreundlichen Neffen Peter III. dem Haus Brandenburg ein weiteres Wunder bescherte.

Mit den freigewordenen Streitkräften gelang es Friedrich, die Österreicher in Bedrängnis zu bringen, sodass sie schließlich zu Friedenverhandlungen bereit waren.

Ende des Siebenjährigen Krieges

Am 15. Februar 1763 endete der verlustreiche Siebenjährige Krieg schließlich mit dem Frieden von Hubertusburg. Preußen konnte Schlesien behalten und war endgültig zur europäischen Großmacht aufgestiegen.