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Der Erzieher Friedrichs des Großen: Jacques Égide Duhan de Jandun

Jacques Égide Duhan de Jandun war der Erzieher von Kronprinz Friedrich II.

Sein Einfluss war für den späteren Preußenkönig von großer Bedeutung.

Wer war Jacques Égide Duhan de Jandun?

Bei Jacques Égide Duhan de Jandun (1685-1746) handelte es sich um den Erzieher Friedrichs des Großen.

Durch ihn begann der junge Kronprinz sich für die französische Lebensart und Kultur zu interessieren.

Duhan war auch als Charles Gilles Duhan de Jandun oder Charles Égide Duhan de Jandun bekannt. Mitunter wird sein Nachname du Han geschrieben.

Herkunft

Geboren wurde Jacques Égide Duhan de Jandun am 14. März 1685 im französischen Duhan.

Sein Vater war ein hugenottischer Landadliger.

In seiner Kindheit und Jugend wuchs Duhan zunächst in der Champagne auf.

Im Jahr 1690 musste sein Vater mit seiner Familie aufgrund seines calvinistischen Glaubens ins Exil in die preußische Hauptstadt Berlin gehen.

Grund dafür war der Umstand, dass der französische König Ludwig XIV. (1638-1715) das Edikt von Nantes aufgehoben und stattdessen das Edikt von Fontainebleau erlassen hatte. Dadurch verloren die französischen Protestanten sämtliche religiösen Rechte und auch ihre Staatsbürgerrechte.

Duhans Vater, der als königlicher Staatsrat tätig war, beschloss daher, nach Berlin umzusiedeln, wo er sich als Beamter betätigte.

Duhan in Preußen

In Preußen arbeitete Jacques Égide Duhan de Jandun zunächst als Lehrer am hugenottischen Collège Français.

Anschließend wirkte er als Hofmeister des Grafen Dohna, wobei er sich gleichzeitig um die Erziehung von dessen Sohn kümmerte.

1715 war Duhan im Diensten des Grafen an der Belagerung von Stralsund beteiligt. Dabei fiel dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) dessen große Tapferkeit auf.

Friedrich Wilhelm, der nach geeigneten Erziehern für seinen vierjährigen Sohn Friedrich II. suchte, beschloss, dem Hugenotten diese Aufgabe zu übertragen.

So wirkte Duhan anschließend neben dem Hauptlehrer Hilmar Curas als Mathematik-, Geschichts- und Geographielehrer.

Der Stundenplan wurde später vom König selbst präzisiert und ergänzt, indem er die Unterrichtseinheiten festlegte. Außerdem bestimmte er den festen Tagesablauf seines Sohnes, der stellenweise im Minutentakt ablief.

Auf diese Weise wollte Friedrich Wilhelm I. den Kronprinzen darauf vorbereiten, eines Tages selbst die Staatsgeschäfte zu übernehmen.

Allgemeinbildung sowie schöngeistige Lehren strich der Soldatenkönig dagegen konsequent aus dem Stundenplan.

Einfluss Duhans auf den Kronprinzen

Jacques Égide Duhan de Jandun war selbst hochgebildet. Ihm widerstrebten die engen Richtlinien, die der Soldatenkönig für seinen Sohn bestimmt hatte, sodass er sie teilweise lockerte.

Beispielsweise verzichtete er nicht völlig, wie vom König gewünscht, auf Lateinunterricht. Außerdem bewirkte der französische Lehrer, dass sich der junge Fritz für literarische Werke und Philosophie zu interessieren begann.

Im Laufe der Zeit begeisterte sich der Kronprinz mehr und mehr für diese Themen.

Schließlich begann er aus eigenem Antrieb, eine Bibliothek anzulegen, die bis zu 4000 Exemplare von meist französischen Autoren umfasste.

Bei der Beschaffung verschiedener Bücher unterstützte Duhan Friedrich II., ohne dass der Soldatenkönig dies ahnte.

Konflikt mit dem Soldatenkönig

Bis zu Friedrichs Konfirmation im Jahr 1727 wirkte Duhan als Erzieher des Kronprinzen.

Auch nach dem Ende dieser Tätigkeit bestand zwischen Duhan und Friedrich eine enge Verbundenheit.

1727 stieg der Hugenotte zum Gerichtsrat auf.

Die enge Vertrautheit zwischen Duhan und Kronprinz Friedrich erweckte jedoch das Misstrauen des Königs.

Als der junge Fritz 1730 den Versuch unternahm, ins Ausland zu fliehen, was jedoch scheiterte, gab Friedrich Wilhelm den drei vorherigen Erziehern des Kronprinzen eine Mitschuld an den Ereignissen.

Aus diesem Grund wurde Duhan nach Memel, einem der entlegendsten Orte des Preußischen Reiches, verbannt.

Neue Aufgaben

Im Sommer 1732 war Friedrich Wilhelm I. wieder milder gestimmt und erlaubte Duhan, als Bibliothekar in Blankenburg für den Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel zu arbeiten.

Allerdings musste Kronprinz Friedrich zuvor das Versprechen geben, seinen ehemaligen Lehrer im Falle eines Zusammentreffens nicht anzusprechen.

In Blankenburg war Duhan u. a. als Vorleser für Herzogin Christine Luise von Braunschweig-Wolfenbüttel tätig.

Zwischen 1735 und 1740 wurde dem Hugenotten zudem eine Gnadenpension von 400 Talern pro Jahr zuteil.

Leben unter Friedrich dem Großen

Als Friedrich II. 1740 König von Preußen wurde, dauerte es nur drei Tage, bis er Duhan wieder zurückholte. So war ihm zu Ohren gekommen, dass sich Duhan sehr einsam fühlte.

Mit einem überaus wohlwollenden Brief lud Friedrich seinen alten Lehrer nach Berlin ein.

Dort erfolgte dessen Ernennung zum Geheimrat im Amt für Auswärtiges. Dabei erhielt Duhan außerdem das Recht, sich nach Gefallen den Dienstobliegenheiten zu entziehen.

Darüber hinaus wurden von dem Hugenotten mehrere Schriften über die Geschichte von Preußen und Brandenburg verfasst.

1744 stieg Jacques Égide Duhan de Jandun zum Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin auf.

Ende 1745 verschlechterte sich Duhans Gesundheitszustand sehr, und Friedrich besuchte ihn am 28. Dezember noch einmal auf dessen Sterbebett.

Am 3. Januar 1746 schloss Duhan für immer die Augen.

Nachwirkung Duhans

Seinem Lehrer Jacques Égide Duhan de Jandun verdankte Friedrich der Große sein lebenslanges Interesse für die Kultur Frankreichs.

Viele Briefe des Königs belegten, wie sehr er seinem Lehrer auch als Erwachsener noch verbunden war und er dessen Tätigkeit zu schätzen wusste.

In einem Gedicht wurde Duhan von Friedrich sogar als „wahrer Vater“ bezeichnet.