≡ Menu

Die Ehefrau Friedrichs des Großen: Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern (1715-1797)

Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern war die Gemahlin Friedrichs des Großen und Königin von Preußen.

Ihre Liebe zum König wurde von diesem nicht erwidert.

Herkunft und Kindheit

Das Licht der Welt erblickte Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern am 8. November 1715 in Wolfenbüttel.

Ihr Vater war Herzog Ferdinand Albrecht II. von Braunschweig-Wolfenbüttel (1680-1735) und ihre Mutter Antoinette Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel (1686-1762), die aus dem Hause Welfen stammte.

Außerdem hatte Elisabeth Christine noch acht Brüder und fünf Schwestern.

Elisabeth Christines Kindheit verlief recht glücklich. Ihre Erziehung fand im lutherischen Glauben statt. Sie verbrachte ihre frühen Lebensjahre verhältnismäßig bescheiden am Salzdahlumer Hof.

Heirat mit Kronprinz Friedrich

Am 10. März 1732 wurde Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich II. in Berlin verlobt.

Da es sich bei ihr um eine Cousine zweiten Grades der österreichischen Kaiserin, der in Braunschweig geborenen Elisabeth Christine (1691-1750) handelte, hatte sich die kaiserliche Partei um eine solche Beziehung bemüht.

Die kaiserliche Partei zählte zu den Gegenspielern der englischen Partei um Friedrichs Mutter Sophie Dorothea von Hannover (1687-1757), die gleichzeitig die Schwester des englischen Königs Georg II. (1683-1760) war.

Friedrichs strenger Vater, der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) stand der Verbindung aufgeschlossen gegenüber.

So war er im Gegensatz zu seiner Frau strikt gegen eine von ihr geplante Heirat Friedrichs in Richtung England.

Die Engländer betrachtete er als nicht loyal gegenüber dem Kaiser in Österreich.

Mit der Heirat wollte der Soldatenkönig seine Loyalität gegenüber dem Kaiserhaus demonstrieren.

Aus dem gleichen Grund verheiratete er seine Tochter Philippine Charlotte mit Elisabeth Christines Bruder Karl I.

Außerdem erfolgte die Heirat zwischen Elisabeth Christines Schwester Luise Amalie mit Friedrichs Bruder August Wilhelm. Aus dieser Ehe ging später Friedrichs Nachfolger Friedrich Wilhelm II. (1744-1797) hervor.

Außerdem sollte sich Kronprinz Friedrich mit der Hochzeit bei seinem Vater nach seinem gescheiterten Fluchtversuch rehabilitieren und den Konflikt nach außen hin beilegen.

Die Heirat zwischen Friedrich II. und Elisabeth Christine erfolgte am 12. Juni 1733 im Schloss Salzdahlum.

Ein Ehevertrag regelte die finanziellen Angelegenheiten der Kronprinzessin. Gleiches galt für die Zusammensetzung ihres Hofstaates.

Auf der Hochzeit spielte der junge Kronprinz persönlich Querflöte. Auch Opern von Georg Friedrich Händel und Carl Heinrich Graun wurden gegeben.

Erste Jahre in Berlin

Die Begeisterung Friedrichs für seine Gemahlin hielt sich jedoch in Grenzen.

So schrieb er an Markgräfin Wilhelmine in Bayreuth, dass Elisabeth Christine weder schön noch hässlich sei und es nicht an Verstand mangele. Doch sei sie schlecht erzogen und blöde und hätte kein Benehmen.

Auch wenn die Verbindung kinderlos blieb, scheint die Ehe vollzogen worden zu sein.

Gegenüber dem Grafen Ernst Christoph von Manteuffel (1676-1749) äußerte Friedrich, dass seine Gemahlin recht hübsch sei und sie sich nicht über mangelnde Liebe beklagen könne. Er wisse nicht, warum das Paar noch keine Kinder bekommen habe.

Das Ehepaar verbrachte seine ersten Jahre bis 1736 im Kronprinzenpalais Unter den Linden in Berlin.

Die meiste Zeit über war Friedrich jedoch bei seinem Regiment in Ruppin. Nach Berlin kam er nur selten.

Umzug nach Rheinsberg

Am 21. August 1736 fand der Umzug des Paares nach Rheinsberg in das dortige Schloss statt.

Bei diesem Bauwerk handelte es sich um ein persönliches Geschenk von König Friedrich Wilhelm I.

Die Zeit in Rheinsberg war für Elisabeth Christine durchaus glücklich.

Noch vierzig Jahre später berichtete sie dem französischen Grafen Mirabeau (1749-1791) voller Enthusiasmus von jener Zeit, in der sie sogar das Malen erlernte.

Elisabeth Christine liebte ihren Gemahl aufrichtig und hoffte, dass er ihre Liebe eines Tages erwidern würde. Dieser Wunsch blieb jedoch unerfüllt.

Königin von Preußen

Als Friedrich Wilhelm I. am 31. Mai 1740 starb, trat sein Sohn Friedrich seine Nachfolge an.

Bereits am Totenbett seines Vaters verfügte er, dass die neue Königin Elisabeth Christine hinter die Königinmutter Sophie Dorothea zurücktreten müsse.

Gemäß einer schriftlichen Anordnung ihres Ehemannes hatte Elisabeth Christine bereits am nächsten Tag der Königinmutter ihre Aufwartung zu machen.

Schon bald darauf zogen Friedrich II. und Elisabeth Christine nach Berlin ins Palais des Kronprinzen.

Die neue Wohnung der Königin befand sich im Berliner Schloss. Sie war sogar umfangreicher als die Wohnstätte des Königs.

Darüber hinaus erhielt Elisabeth Christine von ihrem Gemahl das Schloss Schönhausen im Norden Berlins.

Ebenso konnte sie einen eigenen Hofstaat unterhalten.

Schloss Schönhausen war allerdings nicht für einen Aufenthalt das ganze Jahr über geeignet.

So existierten einerseits gar nicht genug Räume für einen Hofstaat von 80 Personen und es gab auch nicht genug Möglichkeiten zum Heizen.

Aus diesem Grund hielt sich Elisabeth Christine jedes Jahr nur von Anfang Juni bis Anfang September dort auf.

Trennung von Friedrich

Weil Friedrich II. nicht länger die Absicht hatte, ein Eheleben zu führen, das ihm von seinem Vater aufgezwungen worden war, vollzog er auch deswegen eine räumliche Trennung von Elisabeth Christine.

Bis zu ihrem Tod 1757 stellte nun seine Mutter Sophie Dorothea den weiblichen Mittelpunkt der Familie dar.

Aus diesem Grund übernahm die Königinmutter auch die meisten Repräsentationsaufgaben.

Allerdings achtete Friedrich stets darauf, dass die höfische Etikette bei offiziellen Anlässen vom Rang her eingehalten wurde.

Als Sophie Dorothea starb, stieg Elisabeth Christine auch faktisch zur ersten Frau im Staate auf und ihre Auftritte in der Öffentlichkeit verstärkten sich deutlich.

Im Gegensatz dazu gingen die öffentlichen Auftritte Friedrichs im Laufe der Zeit mehr und mehr zurück.

Von der Königin wurden in Schönhausen sowie im Berliner Stadtschloss u. a. große Bälle, Empfänge für Gesandte, umfangreiche Diners, Familienfeiern wie Hochzeiten, Geburtstage oder Taufen sowie Aufführungen von Opern veranstaltet.

Beschränkungen durch den König

An welchen Staatsereignissen oder Familienfeiern Elisabeth Christine teilnahm, konnte nicht frei von ihr selbst entschieden werden. Es bedurfte stets der Erlaubnis des Königs.

So nahm sie zum Beispiel nie an Empfängen in Potsdam teil, weil sie von Friedrich nicht eingeladen wurde.

Auch ins Schloss Sanssouci erfolgte nie eine Einladung.

Nicht einmal an der Hochzeit ihrer jüngeren Schwester Juliane Marie, die 1752 in Braunschweig mit König Friedrich V. von Dänemark in den Stand der Ehe trat, nahm sie teil.

Anstatt ihren Mann um Erlaubnis für die Reise zu bitten, blieb sie lieber in Berlin.

Ihre Schwester Juliane wusste Friedrich der Große aber durchaus zu schätzen und pflegte zu ihr freundschaftliche Briefkontakte.

Die doppelte Hofhaltung

Durch die Auflösung der gemeinsamen Hofhaltung beider Eheleute ergab sich eine doppelte Hofhaltung.

Trotz Elisabeth Christines Befürchtungen, dass sich Friedrich 1740 von ihr scheiden lassen könnte, machte er sie zum Teil seines Systems und übergab ihr zahlreiche repräsentative Verpflichtungen, die immer wieder abliefen.

Allerdings fehlte der König als Zentrum des klassischen Hofstaates.

Friedrich übte diese repräsentativen Verpflichtungen nur ungern aus und nahm sie mit zunehmendem Alter immer seltener wahr.

Stattdessen zog er sich ab 1763 lieber nach Potsdam zurück.

Auf Elisabeth Christine entfiel die Aufgabe, den preußischen Hof in Berlin zu repräsentieren und die öffentlich-zeremoniellen Pflichten auszuüben.

Trotz Friedrichs Rückzug von seiner Frau schrieb sie ihm immer wieder Briefe, in denen sie ihm Bewunderung zollte.

Auf der anderen Seite sah sie sich wiederholt seinen Demütigungen ausgesetzt.

Dennoch war Friedrich um das Wohlergehen seiner Gemahlin besorgt.

Zum Beispiel befahl er seinem Leibarzt einmal, die Königin unverzüglich zu besuchen. So würde es sich bei ihr „um die teuerste und wichtigste Person für den Staat, die Armen und für ihn selbst handeln“.

Darüber hinaus ließ er seiner Frau wiederholt kostbare Geschenke wie Schmuck zuteilwerden.

Wirren durch den Siebenjährigen Krieg

Während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) kam es am 16. Oktober 1757 zur kurzzeitigen Besetzung von Berlin durch die Österreicher, sodass Königin Elisabeth Christine die Flucht in die Festung Spandau ergreifen musste.

Als die Österreicher zwei Tage später wieder abzogen, konnte sie rasch wieder zurückkehren.

Auf Anordnung Friedrichs begab sich die Königin am 23. Oktober nach Magdeburg. Auf dem Weg dorthin kam die Eskorte am Schloss Sanssouci vorbei und Elisabeth Christine nutzte die Gelegenheit, sich das Potsdamer Stadtschloss anzusehen.

Anfang Januar 1758 fand die Rückkehr nach Berlin statt.

Durch die Kriegswirren und die Besetzung der Hauptstadt durch die Russen im Frühjahr 1760 musste erneut der Rückzug nach Magdeburg angetreten werden.

Schloss Schönhausen wurde sogar von den Russen geplündert.

Bis 1763 führte Elisabeth Christine ihr Hofleben in Magdeburg, so wie sie es sonst in Berlin tat.

Im Februar 1763 schrieb ihr Friedrich, dass sie wieder nach Berlin reisen könne, was sie auch umgehend tat.

Adel und Bürger von Berlin bereiteten der Königin einen feierlichen Empfang.

„Madame sind korpulenter geworden“

Nach rund sieben Jahren Trennung traf Elisabeth Christine wieder auf ihren Gemahl.

Nach Aufzeichnungen des Grafen Lehndorff soll Friedrich zu seiner Frau bei der Begrüßung nur den Satz „Madame sind korpulenter geworden“ gesagt und sich dann wieder seinen Schwestern gewidmet haben.

Unverdrossen machte sich Elisabeth Christine nach Kriegsende an den Wiederaufbau des Schlosses Schönhausen, das noch größer wurde.

Nebenbei las sie viel und schrieb moralische Schriften.

Für die Goldene Hochzeit im Jahr 1783 gab es keinerlei offizielle Feiern. Auch eine Zusammenkunft zwischen Friedrich und Elisabeth Christine fand nicht statt.

Zum letzten Zusammentreffen zwischen Königin und König kam es auf der Geburtstagsfeier von Prinz Heinrich am 17. Januar 1785 in Berlin.

Am 17. August 1786 schloss Friedrich der Große in Potsdam für immer die Augen. In all der Zeit, in der Elisabeth Christine mit ihm verheiratet gewesen war, hatte sie sich stets loyal erwiesen.

Letzte Jahre

Nach dem Tod des Königs übergab Elisabeth Christine ihre öffentlichen Aufgaben an ihre Nachfolgerin, die Gemahlin des neuen Königs Friedrich Wilhelm II.

Dennoch nahm sie auch in den kommenden Jahren immer wieder repräsentative Aufgaben wahr.

Auf testamentarische Anordnung Friedrichs erhielt seine Witwe höhere Einkünfte sowie eine angemessene Wohnstätte im Berliner Stadtschloss.

Von ihrem Neffen Friedrich Wilhelm II., mit dem sie sich gut verstand, erhielt Elisabeth Christine das Schloss Schönhausen, das sie weiterhin nutzen konnte.

Der neue König besuchte sie außerdem regelmäßig.

Elisabeth Christine überlebte ihren Mann rund 11 Jahre. Am 13. Januar 1797, im Alter von 81 Jahren, verstarb sie im Stadtschloss von Berlin.

Ihre Beisetzung fand in der Gruft des Berliner Doms statt.